WPU UNESCO 2008 - PANTheater "Kakao"

 

Landeskundliches Profil: Brasilien  

 

1. Lage und Größe

Brasilien nimmt knapp die Hälfte des gesamten Kontinents ein. Im Norden grenzt es an Venezuela, Guyana, Suriname und Französisch-Guayana, im Nordosten und Osten an den Atlantischen Ozean, im Süden an Uruguay, im Westen an Argentinien, Paraguay, Bolivien und Peru und im Nordwesten an Kolumbien. Mit Ausnahme von Chile und Ecuador verfügt die Republik über Grenzen zu jedem anderen Staat Südamerikas. Brasilien ist mit einer Fläche von 8 547 404 Quadratkilometern das fünftgrößte Land der Erde (nach Russland, Kanada, den Vereinigten Staaten von Amerika und China). Der überwiegende Teil der Bevölkerung Brasiliens lebt am Atlantischen Ozean, u. a. in den Metropolen São Paulo und Rio de Janeiro. Die Hauptstadt Brasília liegt im Landesinneren.

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2. Klima- und Vegetationszonen

Brasilien gliedert sich in drei Naturräume; dies sind von Süden nach Norden das Brasilianische Bergland, das Tiefland des Amazonas und die Ausläufer des Berglandes von Guayana. Das Brasilianische Bergland im Süden und Südosten nimmt den größten Teil des Landes ein. Zu den wichtigsten Gebirgsketten dieses Naturraumes zählen die Serra da Mantiqueira, die Serra do Mar und die Serra Geral. Seine größte Höhe erreicht das Bergland im äußersten Südosten im Pico da Bandeira (2 890 Meter). Während das Brasilianische Bergland stellenweise steil zur Küste abfällt, senkt es sich nach Norden allmählich zum Tiefland des Amazonas ab.

Das Klima ist in weiten Teilen des Landes tropisch, nur im äußersten Süden hat es subtropischen Charakter. Die Temperaturschwankungen im Jahresverlauf sind relativ gering. Die mittlere Temperatur in Brasília liegt im Januar bei 22,3 °C, im Juli bei 19,8 °C. In Rio de Janeiro betragen die entsprechenden Werte 28,5 °C bzw. 19,6 °C. Der mittlere Jahresniederschlag liegt in Brasília bei etwa 1 600 Millimetern, in Rio de Janeiro bei rund 1 800 Millimetern.

Im Amazonastiefland werden Jahresniederschläge zwischen 2 000 und 3 000 Millimetern verzeichnet, die Luftfeuchtigkeit beträgt meist um 90 Prozent. Die Niederschläge verteilen sich auf das ganze Jahr. Im Bergland von Guayana und in weiten Teilen des Brasilianischen Berglandes gibt es dagegen eine winterliche Trockenzeit. Im Nordosten des Landes treten im Regenschatten der Gebirge mitunter Dürreperioden auf.

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3. Bodennutzung und Hauptanbaufrüchte

Obwohl der bewirtschaftete Teil des Landes lediglich 7,5 Prozent der Gesamtfläche umfasst, zählt Brasilien zu den wichtigsten Agrarländern. Etwa ein Viertel der Kaffeeproduktion der Welt wächst auf den Plantagen von São Paulo, Paraná, Espírito Santo und Minas Gerais. Wichtige Anbauprodukte sind ferner Zuckerrohr (dient nicht nur zur Gewinnung von Zuckerraffinade, sondern auch zur Herstellung von Alkohol und Benzin), Sojabohnen, Kidneybohnen, Mais, Reis, Weizen, Kakao, Orangen, Bananen, Kartoffeln, Maniok und Tabak.

Viehzucht wird insbesondere in São Paulo und den anderen südlichen Staaten betrieben. Man züchtet Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, Pferde, Esel, Maultiere und Hühner.

Die Waldgebiete bedecken etwa 56,5 Prozent der Fläche (2005). Die wichtigsten Erzeugnisse der brasilianischen Forstwirtschaft sind Tungöle, Kautschuk, Carnaubawachs, Caroafasern, medizinisch verwertbare Blätter, Pflanzenöle, Harze, Nüsse sowie Bau- und Möbelhölzer. Von herausragender wirtschaftlicher Bedeutung sind verschiedene Nutzhölzer. Der Holzeinschlag nahm in den siebziger und achtziger Jahren drastisch zu, weil immer mehr Waldgebiete für die Besiedlung und zur großflächigen Anlage von Weideland gerodet wurden: Erhebliche Teile des brasilianischen Regenwaldes sind bereits zerstört, die ökologischen Folgen sind unabsehbar.

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4. Wirtschaft

Brasilien ist sehr reich an mineralischen Bodenschätzen, wegen mangelhafter Kapitalausstattung und schwieriger Transportbedingungen konnte jedoch erst in den siebziger Jahren mit dem industriellen Abbau begonnen werden. Kohle wird u. a. in Rio Grande do Sul und Santa Catarina gefördert. Die Goldgewinnung im Urwald des Amazonas hält seit 1979 unvermindert an, die Eisenvorkommen bei Itabira und an anderen Orten zählen zu den reichsten der Erde, ebenso wie die Zinnvorkommen. Quarzkristall, Monazit und Beryllium gehören ebenfalls zu den wichtigsten Exportgütern. Mangan, Diamanten, Edelsteine (z. B. Aquamarin, Smaragd, Topas), Chrom, Zirkonium, Erdöl und Erdgas, Silber, Bauxit und Glimmer werden in beträchtlichen Mengen gefördert. Darüber hinaus verfügt Brasilien über wertvolle Vorkommen an Magnesit, Graphit, Titan, Kupfer, Zink, Quecksilber, Platin und Phosphaten.

Neben Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Metallverarbeitung zählen die chemische und die Elektrotechnik produzierende Industrie zu den Hauptstützen der industriellen Entwicklung Brasiliens. Ebenfalls Bedeutung haben die Konsumgüterindustrie, die Erzeugung und Verarbeitung von Nahrungsmitteln sowie die Baustoff- und Papierindustrie. São Paulo ist das industrielle Zentrum des Landes und trägt ein Drittel zur Gesamtproduktion Brasiliens bei. Die Städte Rio de Janeiro, Belo Horizonte, Pôrto Alegre und Fortaleza sind ebenfalls wichtige Industriestandorte.

Die Handelsbilanz Brasiliens ist negativ. Die Hauptabnehmer brasilianischer Produkte sind die Vereinigten Staaten (gut 20 Prozent des gesamten Exportvolumens), Deutschland, Japan, Italien, Argentinien, Frankreich, die Niederlande und Großbritannien. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen Metalle und Metallerzeugnisse, Fahrzeuge und Fahrzeugteile, Sojabohnen und Sojaprodukte, Kaffee, Zucker, chemische Erzeugnisse, Maschinen sowie Papier und Zellstoff.

Brasilien importiert vor allem Maschinen und Elektrotechnik, chemische Zwischenprodukte, Fahrzeuge sowie Teile für die Fahrzeugmontage, Nahrungsmittel, Erdöl und Erdölprodukte. Für den Import bedeutend sind die USA, Argentinien, Länder der Europäischen Union (Deutschland, Frankreich, Italien) und Japan.

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