WPU UNESCO Township Blues |
Lutz van Dijk
Township Blues
Der Sturm der letzten Tage ist vorüber. Teilweise in
Orkanstärke, hat er vor allem in den ärmeren Gegenden viele Schäden angerichtet. Allein in unserer Straße sind mehr als zehn Häuser ohne
Dächer und zwei Nachbarn liegen noch immer im Krankenhaus. Seit gestern Mittag nun scheint die Sonne unschuldig von einem strahlend
blauen Himmel. Keine Wolke weit und breit. Das Meer ist noch viel zu kalt zum Baden. Aber ich musste einfach raus mit
Thabang. Raus ans Meer, zu den Wellen und den kleinen Buchten, die hinter dem großen Strand beginnen, wo es
noch Plätze gibt, zu denen sonst niemand kommt.
So bitterkalt die letzten Wintertage waren, so mild, ja warm, hat nun mit einem Schlag der Frühling begonnen. Und
Thabang ist noch immer bei mir. Wir haben das alles durchgestanden. Und nichts war umsonst.
Schon im Morgengrauen sind wir mit dem Bus von Guguletu bis nach Kapstadt rein und dann mit der kleinen Bahn
immer an der Küste entlang. Irgendwann rief Thabang: »Hier sieht es gut aus, los raus, schnell ...« Kurz
bevor die Lokomotive wieder anfuhr, sprangen wir raus. Dann liefen wir bestimmt eine Stunde direkt am Ufer entlang, mit den Füßen gerade
so weit im Wasser, dass die hochgekrempelten Jeans nicht nass wurden.
So haben wir sie gefunden, unsere Bucht. Logisch, dass wir nicht genau verraten, wo sie ist. Der Sand ist noch kühl, als wir unsere Decke
ausbreiten. Wir behalten anfangs sogar noch unsere Pullover an. Aber unsere Hände finden ihren Weg zur Haut des anderen.
Thabangs warme kräftige Finger streicheln sanft über meinen Rücken. Dann drückt er mich so fest an sich, dass
ich kaum Luft bekomme. »Fester«, flüstere ich in sein Ohr. »Ganz fest musst du mich halten!«
Thabang spannt seine Muskeln und ich spüre seine Oberarme steinhart werden. Dann presst er mich so sehr an
sich, dass ich wirklich nicht mehr atmen kann. Ich fühle nur noch seine Haut, seine Muskeln, seinen Herzschlag gegen meinen - und halte
den Atem an. So als könnte ich damit auch die Zeit anhalten. Ich drücke meine Lippen auf seine ... wie gut sich das anfühlt! Seine Zunge
spielt mit meinen Lippen, dann berühren sich unsere Zungenspitzen. Wofür noch atmen? Ich habe keine Angst, ohnmächtig zu werden. Wenn ich
so nur die Zeit anhalten könnte. Fester, Thabang, fester!
Bestimmt zwei volle Minuten schaffen wir es, uns zu küssen und festzuhalten, ohne zu atmen. Wenn wir mehr trainieren, kommen wir
garantiert auf noch bessere Zeiten. Dann prusten wir plötzlich beide los vor Lachen, schnappen dabei wie zwei gestrandete Fische nach
Luft und lassen uns jeder auf den Rücken fallen. »Usebenzile - gut gemacht, Thina!«, ruft Thabang. »Falls die nächsten Olympischen Spiele nach Südafrika kommen, sind wir
beim Tiefsee-Küssen dabei!«
Ich und Küssen! Noch vor ein paar Monaten war ich überzeugt, dass mich niemals mehr jemand küssen würde. Niemand, niemand, niemand. Bis
ich tot bin. Weil ... wenn alle wüssten, was mit mir los ist, all die Idioten, die keine Ahnung haben, dann wäre ich verloren. Da
bräuchte ich gar nicht mehr zu warten, bis ich von selbst krepiere. Die würden mich killen mit ihrer Missachtung, ihrem Hass, ihrer
Dummheit. Da war ich ganz sicher. Meine Nachbarn, meine Freunde, sogar meine Familie, alle würden mich hassen dafür. Egal, ob es meine
Schuld ist oder nicht. Einfach so zu sein ist genug. Es gibt genügend Beispiele von Leuten, denen es so ergangen ist, nachdem es
herausgekommen war oder sie es sogar selbst gesagt hatten.
Dabei bin ich wirklich nicht so schnell in Panik zu versetzen. Echt nicht. Mein Leben ist nie ein Zuckerlecken gewesen. Vom ersten
Augenblick an Kampf ums Überleben. Wörtlich. Alle Menschen werden gleich geboren? Ein schlechter Scherz! Lass uns nicht
drumherum reden - ich habe so ziemlich die größte Niete gezogen. Weil sie Mama einfach nicht freilassen
wollten, bin ich im Knast geboren. Zur Strafe wofür eigentlich? Dass ich auf die Welt kommen wollte?
Dabei hat mich niemand vorher gefragt. Kein Baby auf dieser Welt wird gefragt, wo es geboren werden möchte. Und hinterher wird einem
alles vorgeworfen: falsches Elternhaus, falsche Hautfarbe, falsche Muttersprache, falsche Religion oder gar keine, alles verkehrt! Und du
sollst das irgendwann allen erklären.
Aber trotz allem wollte ich schließlich doch raus. Nach gut acht Monaten schon. Ich wollte es einfach wissen. Ein ungeduldiges, wild
strampelndes Ungeheuer. Mama war sicher, dass ich das niemals packen würde. Total winzig und verschrumpelt. Hässlich, kaum Haare auf dem
Kopf und voller Blut. Aber bis heute behauptet Mama, dass ich das süßeste Baby war, das je das Licht der Welt erblickt hat, und dass alle
anderen Frauen im Gefängnis sich darum rissen, mich mal in den Arm zu nehmen.
Thabang berührt zärtlich meine Hand. »Woran denkst du? Du schaust plötzlich so ernst ...«
Ich schüttle den Kopf, wie um einen bösen Traum zu verjagen. Dann schaue ich in Thabangs glänzende dunkle
Augen und frage ihn: »Was ist deine Lieblingsfarbe?«
Thabang denkt einen Moment nach. Dann antwortet er: »Braun, aber ein ganz bestimmtes.«
»Welches denn?«
»Willst du es wirklich wissen?«
Er grinst. Erst recht will ich es nun wissen. Er fährt mit seiner Hand unter meinen Pullover und zieht ihn so weit hoch, dass mein Bauch
frei liegt. Dann strahlt er mich an und sagt: »Das Braun deines Bauchnabels!«
Ich habe mir meinen Nabel noch nie so genau angesehen. Ich stelle fest, dass er ziemlich verschiedene Brauntöne
aufweist. Innen ist er heller als außen am Rand. Thabang spinnt.
»Ja«, entgegnet er ruhig. »Genau deshalb. Dein Nabel hat so viel schönes Braun.« Dann legt er seinen Kopf auf
meinen Bauch. Seine festen Locken kitzeln auf der Haut. »Und du?«
»Was ich?«
»Was ist deine Lieblingsfarbe?«
Ich brauche nicht nachzudenken: »Blau! Von mir aus könnte alles blau sein.« Und dann sprudelt es nur so aus
mir heraus: »Das erste wunderschöne Blau, das ich in meinem Leben sah, stammt von Lindi, die damals noch
genau nebenan wohnte. Wir waren beide höchstens drei und sie hatte so ein leuchtend hellblaues Hemdchen. Sonst fand ich
Lindi damals meist hässlich, kurze dicke Beinchen, und immer lief Schnodder aus ihrer Nase. Aber dann hatte
sie dieses blaue Hemd mit kurzen Ärmeln und einem runden Ausschnitt. Plötzlich interessierte ich mich für Lindi.
Ich wollte auch so ein blaues Hemd. Ich fragte mich, wieso sie und nicht ich? Und ich weiß noch, wie ich ein paar Jahre später erfuhr,
dass sie eigentlich Lindiwe heißt, also die, auf die wir lange gewartet haben. Auf mich hatte niemand
gewartet, das wusste ich mit einem Mal. Sieben war ich da, höchstens sieben. Mein erster Blues.«
»Und welches Blau findest du heute am schönsten?«
»Das ist kitschig.«
»Sag's trotzdem!«
»Okay - das Blau von einem Himmel wie heute: an einem wolkenlosen Tag im Frühling am Meer. Das ist inkululeko
- das Blau der Freiheit, wo du so sein kannst, wie du bist oder sein möchtest. Ein Blau, das niemandem gehört, aber doch jeden frei
machen kann ... so ein Blau, verstehst du?«
Thabang antwortet nicht. Er lässt einfach seinen Kopf auf meinem Bauch liegen. Sein warmer Atem streicht über
meine Haut. Er schaut hinaus aufs Meer und bleibt eine Weile ganz still. Dann dreht er seinen Kopf zu mir.
»Warum haben sie deine Mutter damals eingesperrt? War sie politisch?«
»Mama? Wenn sie das mal gewesen wäre. Damals wollte sie nur Mangaliso helfen, der gerade fünfzehn war und
statt zur Schule dauernd mit anderen Jungen zu politischen Treffen ging.«
»Ist das damals passiert mit Mangaliso?«
»Ja, das war genau in der Zeit. Als Mutter mit dickem Bauch einsaß und Mangi für mehr als ein Jahr
verschwunden blieb.«
»Haben sie denn damals beide zusammen verhaftet? Deine Mutter und Mangaliso?«
»In der gleichen Nacht war das, eine ganz ruhige Nacht bis dahin ...«
Thabang lässt seinen Kopf zurück auf meinen Bauch sinken. Die Sonne steigt nun steil auf. Wie gut die Wärme
tut. Wir streifen unsere Turnschuhe ab und ziehen die dicken Pullover über den Kopf. Dann strecken wir uns der Länge nach auf unserer
Decke aus und schmiegen uns dicht aneinander.
»Erzähl mal«, sagt Thabang leise. So oft habe ich die Geschichte jener Nacht gehört. Von Oma, von meinen zwei
älteren Brüdern, von Lindis Mutter. Nur Mama mag nichts mehr hören davon. Von damals, als ich schon in ihrem
Bauch war, aber ansonsten natürlich noch nichts mitbekommen habe.
Thabang vertraue ich völlig. Es tut gut, mit ihm über alles reden zu können. Ein bisschen ist das wie
Medizin, gute Medizin. Also erzähle ich ihm auch diese Geschichte, mit der alles begann. »Liegst du bequem?«,
frage ich nach, weil ich nun schon eine Weile auf seinem Arm liege.
»Fang schon an«, brummt er und rückt noch etwas dichter heran.
Eine wirklich ruhige Nacht war es bis dahin gewesen. Wie meist war Mama erst nach Einbruch der Dunkelheit von ihrer Arbeit als
maid aus Rondebosch zurückgekommen. Lange Arbeitstage, mit der Fahrerei oftmals
mehr als vierzehn Stunden weg. Aber sie war zufrieden, denn die weiße Familie, für die sie damals putzte und kochte und auf deren zwei
kleine Kinder sie aufpasste, war ziemlich nett. Die waren noch nicht lange im Land, hatten ihr anfangs viel zu viel Geld gegeben und sie
mit am Tisch essen lassen, bis Nachbarn sie darauf hinwiesen, dass ›so was‹ nicht gehe. Sie waren aber auch danach freundlich geblieben
und hatten Mama öfter nach ihrer eigenen Familie gefragt und ob alle Kinder gesund seien. Einmal, als Mangaliso
krank war, hatte sie ihn sogar ein paarmal mitbringen dürfen.
An diesem Abend hatte sie einen Bus vorbeifahren lassen müssen, weil der mal wieder völlig überfüllt war. Als sie endlich aus dem
nächsten am Rand von Guguletu absprang, war sie zu müde, um noch einzukaufen. So wärmte sie nur eine Suppe
mit iimbotyi auf, die sie bereits am frühen Morgen vorgekocht hatte. Es war nicht gerade das Lieblingsgericht
von Mangaliso und ihren anderen Kindern, aber es war warm und sie benutzte verschiedene Gewürze, um etwas
Abwechslung zu schaffen. Dass sie wieder ein Kind erwartete, wusste sie schon ein paar Wochen, aber erst seit kurzem wurde es auch
sichtbar für andere. Mama war damals noch schlank, »dünn wie eine Ziege«, meinte Oma. Niemand sah ihr an, dass sie schon fünf Kinder
geboren hatte.
Nach dem Essen wollte Mangaliso noch raus zu seinen Freunden. Mutter war dagegen. »Jetzt noch? Was habt ihr
so spät denn noch vor, Mangi?«
»Wir müssen reden, Mama!«, hatte Mangaliso geantwortet.
»Warst du heute in der Schule?«
Er schüttelte den Kopf.
»Aber du sollst zur Schule gehen!«, sagte Mutter streng. Sie fragte sich zehnmal am Tag, wie sie Mangaliso
dazu bringen könnte, wieder regelmäßig den Unterricht zu besuchen.
»Mangi hat mir im Haus geholfen«, fiel ihr Oma in den Rücken, als ob dies das Schuleschwänzen rechtfertigen
könnte. Oma ist immer auf unserer Seite, bis zum heutigen Tag.
»Ich bin müde, Mangi«, sagte Mutter schließlich. »Bitte komm nicht so spät. Du weißt, dass ich nicht schlafen
kann, solange du draußen unterwegs bist.«
»Es dauert nicht lange, Mama«, versprach er.
Tatsächlich war er bereits nach gut einer Stunde zurück. Mutter hatte noch eine Hose geflickt und danach alle Lampen gelöscht. Nun saß
sie beim offenen Fenster im schummrigen Licht einiger Mondstrahlen und sah mit Erleichterung ihren großen Jungen kommen.
»Uphilile - bist du okay?«, flüsterte Mutter, um die anderen nicht aufzuwecken.
Mangaliso wich ihrer Frage aus. Als er ihr über die Schulter strich, spürte sie, wie warm und feucht seine
Hand war.
»Ulale kakuhle - gute Nacht, Mama«, flüsterte er zurück. Seine Stimme klang
heiser. Dann sah sie im Halbdunkel, wie er sein Hemd und seine Hose auszog und sich in der Ecke neben seinen jüngeren Geschwistern in
eine Decke wickelte. Ein paar Straßen weiter hörte Mutter mehrere Hunde bellen. Dann schlief auch sie ein.
Das Erste, was sie danach wieder hörte, waren erneut die Köter von NY 43. Dieses Mal jedoch wilder und untermalt von einem tiefen, lauter
werdenden Brummen, das sie, schlaftrunken wie sie war, nicht sofort zu deuten wusste. Als sie es erkannte, war es zu spät: Ein
Casspir hielt mit quietschenden Bremsen genau vor unserer Hütte. Die Scheinwerfer des Polizeiautos leuchteten
durch die Ritzen der Wände und warfen wilde Blitze durch den kleinen Raum. Mutter hielt eine Hand vor den Mund gepresst, um nicht zu
schreien, und rüttelte Mangaliso wach, der als Ältester am meisten gefährdet war. Aber da traten die Männer
bereits mit ihren Stiefeln gegen die wacklige Haustür, die im nächsten Augenblick krachend nach innen stürzte. Mit einem Mal war der
kleine Raum vom grellen Licht der Autoscheinwerfer überflutet. Die langen Schatten der Polizisten fielen wie übergroße Gespenster auf die
am Boden Liegenden. Mangaliso war es nicht gelungen zu entkommen, aber Mutter hatte im allerletzten Moment
einen Kleiderstapel über ihn geworfen.
»My man is nie hier nie!«, schrie Mutter in Afrikaans. »Hier sind nur Frauen und kleine Kinder!« Dabei zog
sie ihren Jüngsten, der gerade zwei war, an sich und schaute mit keinem Blick in Mangalisos Ecke. Wie auf
Bestellung fing der kleine Mongezi zu plärren an. Oma erhob sich mühsam von ihrem Lager und begann ebenfalls
zu heulen. Halb ohnmächtig werdend ließ sie sich dann wieder zu Boden fallen und sank dabei wie zufällig auf
Mangalisos Kleiderhaufen. So ist Oma! Weder war sie ohnmächtig, noch war ihr zum Heulen zumute. Wäre sie stark genug gewesen,
hätte sie jeden Einzelnen der Polizisten mit Faustschlägen aus dem Haus gejagt. So aber versuchte sie zumindest
Mangaliso zu schützen.
Die Polizisten kümmerten sich kaum um das Geschrei der beiden Frauen. Es waren drei Schwarze und ein Weißer, die ohne weitere Erklärung
jeden Winkel zu durchsuchen begannen. Dabei stießen sie den kleinen Kocher mitsamt dem Suppentopf um, rissen die Gardinen von den
Fenstern und kippten jede der Holzkisten aus, in denen Mutter Essensvorräte und Kleidung aufbewahrte. Plötzlich packte einer von ihnen
Mutter am Arm, zog sie dicht zu sich heran, sodass sie seinen Atem riechen konnte, und fuhr sie an: »Waar
is Mangaliso?«
O Gott, woher kannten sie seinen Namen? Mutters Herz erstarrte. Dann presste sie leise hervor: »Er ist unterwegs, er schläft hier schon
lange nicht mehr!« Dabei starrte sie dem schwarzen Polizisten voller Wut in die Augen. Dieser Verräter, dieses Gesicht würde sie sich
merken!
»Er muss hier sein!«, widersprach der Mann in Uniform und stieß sie hinüber zu Oma. Die saß weiter auf Mangaliso,
ohne sich etwas anmerken zu lassen.
Inzwischen hatten sie alles durchsucht - bis auf die Ecke, in der Mutter und Oma auf dem Kleiderhaufen hockten. Sollte es noch einmal gut
gegangen sein? Der weiße Polizist stand mit seinen Stiefeln in der umgekippten Suppe und meinte höhnisch: »Das Essen wird kalt!«
Jetzt machte Oma den verhängnisvollen Fehler dieser Nacht. Anstatt sie abziehen zu lassen, entgegnete sie stolz: »Ich will nichts essen!«
Der Mann drehte sich noch einmal um und musterte sie gründlich. Niemand kann mehr sagen, ob sich Mangaliso
vielleicht ein wenig bewegt hat oder dem Polizisten aufgefallen war, dass sie den Kleiderhaufen noch nicht durchsucht hatten. Er ging
jedenfalls zurück zu Oma und trat ohne Vorwarnung mit voller Wucht unter ihrem Hintern in den Stoffberg. Mangaliso
zuckte vor Schmerz zusammen und stieß einen unterdrückten Schrei aus.
Sofort waren alle vier Männer zur Stelle, stießen Oma und Mutter grob zur Seite und rissen die Kleider und Decken weg. Im gleichen Moment
sprang Mangaliso hoch und versuchte zwischen den Männern nach draußen zu entkommen. Er trug nur seine
Unterhose und wirkte so dünn und zerbrechlich zwischen den uniformierten Riesen, dass Mutter nicht anders konnte, als ihrem Jungen zu
Hilfe zu eilen. Sie ergriff den schweren Topf und schlug ihn mit voller Wucht dem Mann, der Mangaliso zuerst
gepackt hatte, von hinten auf den Kopf. Bis heute berichtet Oma stolz, dass dieser erste und einzige Schlag ein Volltreffer war und der
Mann wie vom Blitz getroffen zusammensackte.
Aber immer noch waren es drei schwer bewaffnete Männer gegen zwei Frauen, einen Jungen und fünf kleine Kinder.
Mangaliso kam nur bis zur Türöffnung, wo ihm einer der drei Männer mit einem Sjambok so zwischen die
Beine schlug, dass sein rechtes Schienbein splitterte und er schreiend zusammenbrach. Ein weiterer legte ihm Handschellen an und
schleifte ihn dann zu dem noch immer mit laufendem Motor vor dem Haus stehenden Casspir, wo ein fünfter
Polizist, der auf den Wagen aufgepasst hatte, ihn wie ein Stück Vieh hinten hineinwarf und die Eisentür zuschlug.
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