Das Reserverad der Demokratie
Ex-Greenpeace-Chef: „Dumm fragen ist die oberste Bürgerpflicht“
Göttingen (ka). Als Einzelner können Sie nichts erreichen, Sie
müssen sich in Gruppen zusammenschließen“, ist der Rat Thilo Bodes.
Anlässlich der UNESCO-Jubiläumswoche des Hainberg-Gymnasiums war der
ehemalige Greenpeace-Geschäftsführer zu Gast in Göttingen und sprach über
Handlungsperspektiven des Einzelnen angesichts der Globalisierung.
Im Vergleich zu seiner Schulzeit gebe es heute viel mehr Möglichkeiten,
politisch aktiv zu werden, meinte Bode: national und international, in
Parteien oder NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen), in denen er das
„Reserverad der Demokratie“ sieht. Immer sei es wichtig demokratische
Entscheidungen zu hinterfragen: „Dumm fragen ist die oberste Bürgerpflicht.“
Denn hier sieht Bode große Defizite: In der Bundesrepublik gebe es in der
Politik keine Bewegung mehr, „offensichtlich“ sei die Regierung „unfähig,
langfristige Probleme zu lösen.“ Der internationalen Politik hingegen
mangele es an demokratischer Legitimation sowie an funktionierenden
Mechanismen. „Im Prinzip wird das, was in der Welt geschieht, von sieben bis
zehn Staaten entschieden“, meint Bode. Und: „Wir haben viel Macht an Gremien
abgegeben, die wir aber nicht kontrollieren können.“
Die Politik versage: Bei der Armutsbekämpfung, denn die Handelspolitik der
EU erzeuge noch mehr Armut in der Dritten Welt. Außerdem bei der Umwelt,
denn immer noch würden Arten vernichtet, und zudem in der Friedenspolitik,
denn es fehlten zivile Strategien gegen den Terror, Diktaturen würden
unterstützt.
Bodes Fazit: Mehr denn je sei Engagement angesagt. Das legte er auch den
Schülern ans Herz, denn „Prozesse anzustoßen befriedigt ungemein“. |